Saale-Ilm-Platten bei Bad Kösen (FFH0153)

© Anke Beyer© Anke Beyer

Größe [ha]: 718
Landkreise und kreisfreie Städte: Burgenlandkreis
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Naumburg (Saale)

Gebietsbeschreibung

Das großflächige FFH-Gebiet erfasst die aus Muschelkalk aufgebauten, rechtsseitigen Hänge des Saaletales von Naumburg bis Bad Kösen und zieht sich in Talungen bis auf die „Ilm-Saale-Muschelkalkplatten“ hinauf. Es ist überwiegend bewaldet. An den steil abfallenden Felswänden bestehen natürliche orografische Waldgrenzen, an denen sich Felsfluren ausbilden können.

Lebensraumtypen und Flora

Auf frischen Standorten nord- bis ostexponierter Hänge siedelt der FFH-LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald (ca. 270 ha), der im Gebiet als Waldgersten- und Waldmeister-Buchenwald ausgebildet ist. In den Hallenwäldern herrscht die Rotbuche (Fagus sylvatica) vor. Es gibt aber auch Bestände, in denen durch Niederwaldwirtschaft Hainbuche (Carpinus betulus) und Winter-Linde (Tilia cordata) vermehrt beigemischt sind, so dass Übergänge zum Eichen-Hainbuchen-Wald entstehen. In der Feldschicht treten Ausdauerndes Bingelkraut (Mercurialis perennis), Waldgerste (Hordelymus europaeus), Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium), Christophskraut (Actaea spicata), Waldmeister (Galium odoratum), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Gemeiner Frauenfarn (Athyrium filix-femina), Männlicher Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), Maiglöckchen (Convallaria majalis) und Echte Sternmiere (Stellaria holostea) kennzeichnend auf.
Buchen-Wälder auf trockneren und wärmeren Standorten, in denen neben Rotbuche (Fagus sylvatica) auch stärker Trauben-Eiche (Quercus petraea), Feld-Ahorn (Acer campestre) und Elsbeere (Sorbus torminalis) in der Baumschicht vorkommen, gehören zum FFH-LRT 9150 Orchideen-Buchenwald (ca. 30 ha). Diese Wälder wachsen in West- und Südexposition auf Hangkanten und Hängen des Platten und des Geiersberges. Inselartig und relativ reich an Totholz kommt die Gesellschaft außerdem an der nordwestlichen Hangkante des Knabenberges vor. Kennzeichnende Arten der Feldschicht sind hier Breitblättriger Sitter (Epipactis helleborine), Seidelbast (Daphne mezereum), Finger- und Berg-Segge (Carex digitata, C. montana), Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare) und Wiesen-Primel (Primula veris).
Der FFH-LRT 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (ca. 150 ha) besiedelt die Plateauflächen und Hangkanten des Platten und des Sachsenholzes, die weniger steilen Bereiche des Niederholzes und Teile des Nordabfalls des Berges nordöstlich Kukulau. Die Baumschicht der Bestände wird von Trauben- und Stiel-Eiche (Quercus petraea, Q. robur), Hainbuche (Carpinus betulus), Winter-Linde (Tilia cordata) und Feld-Ahorn (Acer campestre) aufgebaut. Die Elsbeere (Sorbus torminalis) ist eingestreut und erreicht im Sachsenholz hohe Anteile unter den Starkbäumen. In der Strauchschicht treten Kornelkirsche und Blutroter Hartriegel (Cornus mas, C. sanguinea), Liguster (Ligustrum vulgare) und Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) auf. Die Feldschicht wird durch das Vorkommen von Nickendem Perlgras (Melica nutans), Pfirsichblättriger und Acker-Glockenblume (Campanula persicifolia, C. rapunculoides), Dürrwurz-Alant (Inula conyza), Schwarzer Platterbse (Lathyrus niger) und Salomonssiegel (Polygonatum odoratum) charakterisiert. In einer trockenen und durch Wärme geprägten Ausbildung erscheinen Rauhaariges Veilchen (Viola hirta), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), Blauroter Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea), Ebensträußige Margarite (Chrysanthemum corymbosum) sowie Diptam (Dictamnus albus) und leitet zu den Eichen-Trockenwäldern über. Die frische Ausbildung kennzeichnen Christophskraut (Actaea spicata), Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium), Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus), die Orchideenarten Stattliches, Blasses und Purpur-Knabenkraut (Orchis mascula, O. pallens, O. purpurea), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Hohe Primel (Primula elatior) und Echte Sternmiere (Stellaria holostea). Das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) weist im Gebiet Bestände mit mehreren Tausend blühenden Exemplaren auf.
Auf steilen Hängen und in Taleinschnitten siedelt der FFH-LRT 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (ca. 3 ha). In der trockenen Ausbildung des Schwalbenwurz-Sommerlinden-Kalkschuttwaldes auf noch bewegten Kalkgrusstandorten bilden Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Spitz-, Berg- und Feld-Ahorn (Acer platanoides, A, pseudoplatanus, A. campestre) sowie Sommer- und Winter-Linde (Tilia platyphyllos, T. cordata) den Oberstand. Wärmeliebende Sträucher, wie Wolliger Schneeball (Viburnum lantana), Liguster (Ligustrum vulgare), Kornelkirsche und Blutroter Hartriegel (Cornus mas, C. sanguinea), prägen die Strauchschicht. In der spärlich entwickelten Feldschicht wachsen Schwalbenwurz (Vincetoxicum hierundinaria), Salomonssiegel (Polygonatum odoratum) und Wiesen-Primel (Primula veris). Der Eschen-Bergahorn-Schluchtwald auf frischen Standorten weist bei ähnlicher Zusammensetzung der Baumschicht in der Strauchschicht Arten wie Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) und Stachelbeere (Ribes uvacrispa) auf. In der artenreicheren Feldschicht erscheinen Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Aronstab (Arum maculatum), Giersch (Aegopodium podagraria), Hohler, Mittlerer und der neophytische Gelbe Lerchensporn oder Scheinerdrauch (Corydalis cava, C. intermedia, Pseudofumaria lutea) sowie Einbeere (Paris quadrifolia).
Noch nicht näher untersucht sind Bestände des FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (ca. 14 ha), die an kleineren Fließgewässern stocken sowie solche des FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwälder (ca. 6 ha) in der Saaleaue.

Im Gebiet kommen Fiederzwenken-Halbtrockenrasen und Blaugras-Trockenrasen des FFH-LRT 6210 Kalk-Trockenrasen (*orchideenreiche Bestände) (ca. 21 ha) vor. Die verbrachten und stark verbuschten Halbtrockenrasen sind durch Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum), Furchen-Schwingel (Festuca rupicola), Zittergras (Briza media), Frühe Segge (Carex praecox), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Wundklee (Anthyllis vulneraria), Herbst-Aster (Aster amellus), Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Frühlings-Fingerkraut (Potentilla tabernaemontani) und Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) geprägt. Bemerkenswert sind individuenreiche Vorkommen des Helm-Knabenkrautes (Orchis militaris). Die Trockenrasen beherrschen im Wesentlichen Blaugras (Sesleria albicans), Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), Echter und Berg-Gamander (Teurium chamaedrys, T. montanum), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Rotbrauner Sitter (Epipactis atrorubens) und Gemeines Sonnenröschen (Helianthemum nummularium).
Auf Bänken steiler Felswände ist der FFH-LRT 6110* Kalk-Pionierrasen (5 ha) ausgebildet. Diese flachgründigen Standorte sind mit Blau-Schwingel (Festuca pallens), Wimper-Perlgras (Melica ciliata), Astloser Graslilie (Anthericum liliago), Feld-Beifuß (Artemisia campestris), Scharfem Mauerpfeffer (Sedum acre), Gemeinem Steinquendel (Acinos arvensis), Quendel-Sandkraut (Arenaria serpyllifolia) sowie Hungerblümchen (Erophila verna) bestanden.
Auf frischen Standorten, die z. T. als Streuobstwiesen genutzt werden, siedelt der FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (4 ha) in der Ausprägung artenreicher Salbei-Glatthafer-Wiesen mit Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Zittergras (Briza media), Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Wilder Möhre (Daucus carota), Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Wiesen- und Echtem Labkraut (Galium album, G. verum), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Scharfem Hahnenfuß (Ranunculus acris) sowie Vogel- und Zaun-Wicke (Vicia cracca, V. sepium).

Fauna

Von der noch nicht erfassten Säugetierfauna ist das Vorkommen von Haselmaus (Muscardino avellanarius) und einer artenreichen Fledermausgemeinschaft zu erwarten. Vom Vorkommen der Zauneidechse (Lacerta agilis) und der Schlingnatter (Coronella austriaca) ist auszugehen. Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) hat besonders westlich von Stendorf eine stabile Population. Reichlich vorhandenes Totholz bietet der Art Entwicklungssubstrat. Für das Gesamtgebiet gibt es Nachweise ab 1954. Auch vom Eremit (Osmoderma eremita) existieren Altnachweise. Aktuell besteht Untersuchungsbedarf über das gegenwärtige Vorkommen. Aus dem Höllental wurde ein Altnachweis der Schmalen Windelschnecke (Vertigo angustior) von 1904 überliefert. Inwieweit die Art auch aktuell vorkommt, bedarf der Überprüfung.

Literatur: 75, 81, 207, 212, 264, 357, 564 

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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