Gewässersystem Annaburger Heide südöstlich Jessen (FFH0074)

Graben in der Annaburger Heide, Habitat des Schlammpeitzgers © Dr. Uwe ZuppkeGraben in der Annaburger Heide, Habitat des Schlammpeitzgers © Dr. Uwe Zuppke

Größe [ha / km]: 62 / 278
Landkreise und kreisfreie Städte: Wittenberg
Verwaltungseinheiten:Einheitsgemeinde Stadt Annaburg; Einheitsgemeinde Stadt Jessen (Elster)

Gebietsbeschreibung

Ein ausgedehntes Netz von künstlichen Gräben, grabenartig ausgebauten Bächen und Teilbereichen des Laufes der Schwarzen Elster bildet das Gewässersystem Annaburger Heide in der Landschaft „Annaburger Heide und Schwarze- Elster-Tal“. Das FFH-Gebiet umfasst auch die innerdeichs liegenden Elsteraltwässer und reicht damit weit über die Annaburger Heide hinaus bis in die Niederung der Schwarzen Elster.

Lebensraumtypen und Flora

Prägend für das FFH-Gebiet sind die Gewässer. In den Gräben und Fließen und vor allem in der Schwarzen Elster ist der FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (ca. 100 ha) ausgebildet. Neben Arten wie Einfachem Igelkolben (Sparganium emersum) und Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia) treten als flutende Wuchsformen Ähriges und Quirl- Tausendblatt (Myriophyllum spicatum, M. verticillatum) und in der Schwarzen Elster vor allem das seltene Knoten-Laichkraut (Potamogeton nodosus) auf, das hier sogar Massenbestände bildet. Weitere Arten der Roten Liste Sachsen-Anhalts sind Flutende Tauchsimse (Isolepis fluitans) und Schwingelschilf (Scolochloa festucacea). Auch die Seekanne (Nymphoides peltata) bildet in strömungsberuhigten Buchten Schwimmdecken aus. Die Schwarze Elster ist ein beeindruckendes Beispiel für die Regeneration eines Flusses nach Einstellung der Abwassereinleitung. Nach 1990 wandelte sich der bis dahin extrem mit Rückständen der Braunkohlenindustrie belastete Fluss, in dem Wasserpflanzen und Röhrichte fehlten, zu einem Gewässer mit ausgedehnten Wasserpflanzenbeständen und durchgehenden Uferröhrichten. In den durch Flussbegradigung und Eindeichung von der Elster und deren Überschwemmungsgebiet abgeschnittenen Elsteraltwassern siedelt der FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (ca. 10 ha). Seine charakteristischen Arten sind Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Krebsschere (Stratiotes aloides), Schwimmfarn (Salvinia natans), Kleine Wasserlinse (Lemna minor), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) und Gemeiner Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus aquatilis).

Die uferbegleitende Vegetation des FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (ca. 100 ha) besteht aus Grasfluren mit Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), die im Jahresverlauf mehr und mehr von Staudenarten wie Langblättrigem Blauweiderich (Veronica maritima), Rauhaarigem Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Großem Mädesüß (Filipendula ulmaria), Großer Brennnessel (Urtica dioica), Blutweiderich (Lythrum salicaria), Gemeinen Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) sowie Zaun-Winde (Calystegia sepium) und Europäischer Seide (Cuscuta europaea) durchsetzt werden.
Das Grünland weist wenige Flächen mit Beständen des FFH-LRT 6440 Brenndolden-Auenwiesen (ca. 2 ha) auf. In den Auenwiesen, die zudem arm an charakteristischen Pflanzenarten sind, treten regelmäßig nur Brenndolde (Cnidium dubium) und Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) häufiger auf. Der Blauweiderich (Veronica maritima) kommt mehrfach in den Übergangsbereichen zum Schilf-Röhricht vor und bildet dort gelegentlich Staudensäume aus. Neben weiteren Arten feuchter Wiesen sind Wiesen-Labkraut (Galium mollugo), Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) und Kümmel-Silge (Selinum carvifolia) erwähnenswert. Brenndolden-Wiesen kommen gelegentlich auch außerhalb der Deichvorländer vor. Neben den bereits genannten Arten sind darin weiterhin Wasser-Greiskraut (Senecio aquaticus), Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi), Sumpf-Sternmiere (Stellaria palustris) und Sumpf-Hornklee (Lotus uliginosus) zu finden. In den Senken ist Braunes Zyperngras (Cyperus fuscus) anzutreffen.
Die Bestände des FFH-LRT 6510 Magere Flachland- Mähwiesen (ca. 6 ha) treten ebenfalls im Deichvorland auf und weisen als dominante Gräser Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Wolliges Honiggras (Holcus lanatus) und Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea) auf. Weiterhin sind regelmäßig Gräser des Wirtschaftsgrünlandes wie Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Wiesen- und Gemeines Rispengras (Poa pratensis, P. trivialis) beigesellt. Zu den charakteristischen Kräutern zählen u. a. Wiesen-Labkraut (Galium mollugo), Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Kümmel-Silge (Selinum carvifolia) und Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys).

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) werden regelmäßig nachgewiesen. Letzterer besiedelt das Gebiet mit Schwerpunkt an der Schwarzen Elster. An anderen Gewässern begrenzt die über weite Strecken schlechte Verfügbarkeit regenerationsfähiger Weichhölzer als essentielle Winternahrung die Habitateignung für diese Art. Da das Gebiet lediglich das Grabensystem und einen relativ kurzen Abschnitt der Schwarzen Elster umfasst, besitzt es für Fledermäuse nur als Nahrungshabitat Bedeutung. Auf Grund des zum Teil mit Wald bestandenen Umfeldes konnten neun Arten, darunter die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), nachgewiesen werden.

An den Grabenrändern im Wald wurde der Moorfrosch (Rana arvalis) festgestellt, der vermutlich in den langsam fließenden Bereichen Möglichkeiten zum Laichen findet. Die in den angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Gebieten vorkommende Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) hält sich ebenso wie die Wechselkröte (Bufo viridis) während der Laichzeit im Frühjahr in den Gräben auf. Auch einzelne Kammmolche (Triturus cristatus) wurden in den Kleingewässern des Gebietes festgestellt.

Da das Grabensystem der Entwässerung der Feldfluren dient, wird es im regelmäßigen Turnus unterhalten. Daher kommen überwiegend nur anspruchlose Fischarten vor. Lediglich in einzelnen Gräben südlich Löben und Meuselko konnte der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) nachgewiesen werden.

Larven der Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia) wurden im Jahre 2003 in der Schwarzen Elster bei Löben festgestellt. Altnachweise des Goldenen Scheckenfalters (Euphydrias aurinia) konnten hingegen nicht bestätigt werden.

Das weit verzweigte Gewässersystem ist in Teilen Bestandteil eines EU SPA. Die Gewässerläufe selbst werden dabei nur von wenigen Vogelarten besiedelt. Dazu gehört bei Vorhandensein von Schilfröhrichten vor allem der Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus). In Uferabbrüchen von Elsteraltwässern oder am Neugraben kann der Eisvogel (Alcedo atthis) seine Brutröhren anlegen.

Literatur: 263, 264, 279, 391, 407, 412, 472, 511, 553

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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