Jederitzer Holz östlich Havelberg (FFH0013)

Jederitzer Holz © Lisa GerberJederitzer Holz © Lisa Gerber

Größe [ha]: 277
Landkreise und kreisfreie Städte: Stendal
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land; Einheitsgemeinde Hansestadt Havelberg

Gebietsbeschreibung

In der an Auenwald armen Landschaft des „Rhin-Havel-Luchs“ hat das isoliert liegende Jederitzer Holz eine besondere naturschutzfachliche Bedeutung für die Sicherung des Hartholzauenwaldes und seiner reichen Tierwelt. Das FFH-Gebiet liegt ca. 4 km östlich von Sandau in einer vom Trübengraben durchflossenen Grünlandniederung. Die Hydrologie des innerdeichs gelegenen Gebietes wird vor allem durch Dränge- und Qualmwasser der Elbe und Havel geprägt.

Lebensraumtypen und Flora

Bestimmend für das Gebiet ist der großflächig entwickelte FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwälder (139 ha). Dessen Hainbuchen-Ausbildung weist auf den nicht mehr überfluteten Standorten bereits deutliche Entwicklungstendenzen zum Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald auf. Auf den durch Dränge- und Qualmwasser vernässten Standorten dringen Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) und Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) verstärkt ein. Hinzu tritt die Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) und leitet die Entwicklung zum Traubenkirschen-Erlen-Eschen-Wald ein. Als Beeinträchtigungen der Hartholzauenwälder ist neben der fehlenden Überflutungsdynamik vor allem das Auftreten nicht standortheimischer, z. T. invasiver Arten, wie Rot-Esche (Fraxinus pennsylvanica), Hybridpappel (Populus x canadensis) oder Douglasie (Pseudotsuga menziesii), anzusehen.
Auf dauervernässten Flächen in Senken und Flutrinnen tritt der FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschen-Wälder (8 ha) auf, der stellenweise vom Erlen-Bruchwald abgelöst wird.
Im Gegensatz dazu ist auf höher gelegenen, trockeneren Flächen der FFH-LRT 9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (12 ha) entwickelt. Wiesen und Staudenfluren sind kleinflächigere Elemente des Gebietes.

Auf den in das Gebiet eingeschlossen Grünländern sind Bestände des FFH-LRT 6440 Brenndolden-Auenwiesen (8 ha) ausgebildet. Trotz ihrer Kleinflächigkeit beherbergen sie die charakteristischen Arten, wie z. B. Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Brenndolde (Cnidium dubium), Nordisches Labkraut (Galium boreale), Graben-Veilchen (Viola persicifolia), Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris), Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum), Goldschopf-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus), Silau (Silaum silaus), Spießblättriges Helmkraut (Scutellaria hastifolia) und Strauß-Ampfer (Rumex thyrsiflorus). Weiterhin sind Flächen mit dem FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (2 ha) anzutreffen. Hier kommen Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Rot-Schwingel (Festuca rubra), Weiches Honiggras (Holcus lanatus), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) und Vogel- Wicke (Vicia cracca) vor.
Als FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (0,1 ha) sind Brennnessel-Staudenfluren mit Zaunwinde (Calystegia sepium), Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Gelber Schwertlilie (Iris pseudacorus), Wasser-Minze (Mentha aquatica) und Bittersüßem Nachtschatten (Solanum dulcamara) zu nennen.

In einem Wiesentümpel siedelt Wasservegetation des FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (0,2 ha) mit Kleiner Wasserlinse (Lemna minor), Teichlinse (Spirodela polyrhiza), Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus) und Wasserfeder (Hottonia palustis).

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) finden im Gebiet geeignete Lebensräume und reproduzieren hier. Die strukturreichen, von Gewässern durchzogenen Altholzbestände bieten Fledermausarten hervorragende Nahrungshabitate und sehr gute Quartiermöglichkeiten. Hiervon profitieren neben der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) zahlreiche andere Fledermausarten. In natürlichen Quartieren und einem bereits seit mehreren Jahren betreuten Fledermauskastenrevier wurden Wochenstubengesellschaften von Wasser-, Fransen- und Brandtfledermaus (Myotis daubentonii, M. nattereri, M. brandti), Großem und Kleinabendsegler (Nyctalus noctula, N. leisleri), Rauhaut-, Mücken- und Zwergfledermaus (Pipistrellus nathusii, P. pygmaeus, P. pipistrellus) sowie Braunem Langohr (Plecotus auritus) nachgewiesen.
Als wertgebende Lurcharten kommen Kammmolch (Triturus cristatus), Rotbauchunke (Bombina bombina) und Moorfrosch (Rana arvalis) vor.
Außerdem konnte im Trübengraben der Steinbeißer (Cobitis taenia) nachgewiesen werden (Fangstatistik LHW).
Aus dem Gebiet wurden für den Heldbock (Cerambyx cerdo) Nachweise mitgeteilt, die sich aktuell nicht bestätigen ließen. Dagegen sind Vorkommen anderer seltener Käferarten, so z. B. der Mattschwarze Scheibenbock (Ropalopus femoratus), der Schwarze Buntschienenbock (Stenocorus quercus) und der Eichen-Kernkäfer (Platypus cylindrus), belegt, welche sich bevorzugt in Eichen entwickeln. Besonders hervorzuheben ist der Nachweis des Gemeinen Gicht-Saftkäfers (Bothrideres contractus).
Regelmäßige Brutvögel im Gebiet als Teil des EU SPA sind Kranich (Grus grus), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Mittelspecht (Dendrocopos medius) und Eisvogel (Alcedo atthis). Als bemerkenswerte Greifvögel kommen Rohrweihe (Circus aeruginosus), Rot- und Schwarzmilan (Milvus milvus, M. migrans) sowie in einzelnen Jahren auch der Wespenbussard (Pernis apivorus) vor. Eine der größten und ältesten Kolonien des Graureihers (Ardea cinerea) in Sachsen-Anhalt bestand bis ins Jahr 2001 am Südrand des Waldes.

Literatur: 18, 59, 143, 207, 212, 264, 279, 297, 342, 407

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

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