Gewässersystem der Helmeniederung (FFH0134)

Helme: Fluss mit Wasservegetation (LRT3260), Habitat der Helm-Azurjungfer © RANA - Büro für Ökologie und NaturschutzHelme: Fluss mit Wasservegetation (LRT3260), Habitat der Helm-Azurjungfer © RANA - Büro für Ökologie und Naturschutz

Größe [ha / km]: 102 / 119
Landkreise und kreisfreie Städte: Mansfeld-Südharz
Verwaltungseinheiten:Verbandsgemeinde Goldene Aue; Einheitsgemeinde Stadt Sangerhausen; Einheitsgemeinde Stadt Allstedt; Einheitsgemeinde Stadt Südharz

Gebietsbeschreibung

Das Gewässersystem der Helmeniederung in der Landschaft der „Helme- und Unstrutniederung“ erfasst ein lang gestrecktes und weit verzweigtes Netz von Fließen und Gräben, von denen die Helme den Hauptvorfluter bildet. Die Fließgewässer erstrecken sich von der Talsperre Kelbra, einem Europäischen Vogelschutzgebiet (EU SPA) und Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (FIB), bis zur Landesgrenze zu Thüringen bei Artern.

Lebensraumtypen und Flora

Die Helme, die Kleine Helme und die zahlreichen Gräben werden vom FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (ca. 15 ha) besiedelt. Charakteristische Arten der flutenden Wasserpflanzengesellschaften sind Einfacher Igelkolben (Sparganium emersum), Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus), Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris agg.), Flutender und Schild-Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus fluitans, R. peltatus), Flutender Schwaden (Glyceria fluitans), Schwanenblume (Butomus umbellatus), Bachbunge (Veronica beccabunga), Steife Winterkresse (Barbarea stricta) und Einreihige Brunnenkresse (Nasturtium microphyllum) sowie das Wassermoos Fontinalis antipyretica. In einem Altwasser der Helme südlich von Wallhausen ist der FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (1 ha) ausgebildet. Hier kommen Kleine Wasserlinse (Lemna minor) und Krauses Laichkraut (Potamogeton crispus) vor.

Als hygrophile Uferstaudengesellschaft ist der FFH-LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (ca. 3 ha) ausgebildet. Dort siedeln Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Zaun-Winde (Calystegia sepium), Brennnessel (Urtica dioica), Wasserdarm (Myosoton aquaticum) und Blutweiderich (Lythrum salicaria). Durch das starke Auftreten des neophytischen und invasiven Drüsigen Springkrautes (Impatiens glandulifera) können viele Bestände nicht mehr als FFH-LRT gewertet werden. Einzelne artenreichere Bestände der Wiesen, die als Labkraut-Fuchsschwanz-Gesellschaft entwickelt sind, gehören zum FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (6 ha). Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Wiesen-Labkraut (Galium album), Silau (Silaum silaus), Kleine Pimpinelle (Pimpinella saxifraga) und Wilde Möhre (Daucus carota) prägen das Grünland. Örtlich treten Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata), Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Herbst-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis), auf trockneren Standorten Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Pastinak (Pastinaca sativa) und Große Pimpinelle (Pimpinella major) hinzu.

Im Bereich des NSG „Hackpfüffler See“ entstand durch den Aufstieg salzhaltigen Wassers aus sogenannten Salzfingern der FFH-LRT 1340* Salzwiesen (< 1 ha). Diese Binnensalzstelle wird durch Salz-Binse (Juncus gerardii), Strand-Dreizack (Triglochin maritimum) und Milchkraut (Glaux maritima), zu denen auch Gewöhnliche Strandsimse (Bolboschoenus maritimus) und Falsche Fuchs-Segge (Carex otrubae) treten, charakterisiert.

Der Hackpfüffler See repräsentiert den FFH-LRT 3190 Gipskarstseen als einziges Vorkommen in Sachsen-Anhalt.
Im NSG „Helme bei Martinsrieth“ siedelt ein Bestand des FFH-LRT 91E0* Erlen-Eschenwälder (2 ha), dessen Baumschicht von Schwarz- Erle (Alnus glutinosa) und Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) aufgebaut wird. Es ist eine minimale Ausbildung des Lebensraumtyps.

Fauna

Für das Gebiet existieren aus mehreren Abschnitten Nachweise des Fischotters (Lutra lutra). Dies lässt auf eine stabile Besiedlung des Gewässersystems durch die Art schließen. Das Gebiet liegt zudem in einem Wanderkorridor der Wildkatze zwischen der Karstlandschaft Südharz und dem Kyffhäuser (schriftl. Mitt. M. Götz und Jerosch vom 11.04.2013).

An Teilstrecken mit breitem Randstreifen und feuchter Ufervegetation ist der Moorfrosch (Rana arvalis) anzutreffen; an Strecken, die an landwirtschaftliche Nutzflächen angrenzen, werden auch Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) und Kreuzkröte (Bufo calamita) nachgewiesen. Auch einzelne Vorkommen des Laubfrosches (Hyla arborea) wurden festgestellt.

Das Fließgewässer der Helme ist nach wassertechnischen Gesichtspunkten ausgebaut. Dennoch hat sich hier und in den einmündenden Fließen eine rheophile Fischfauna erhalten, so auch etliche der sonst überall rückgängigen, auf Kies laichenden Arten, wie Bachforelle (Salmo trutta) und Barbe (Barbus barbus). Das Bachneunauge (Lampetra planeri) findet die unterschiedlich benötigten Korngrößen zur Paarung, Eiablage und als Larvalhabitat. Auch die Groppe (Cottus gobio) besiedelt das Gewässer. Hier kommt auch der einzige autochthone Bestand der Äsche (Thymallus thymallus) in Sachsen-Anhalt vor. Äsche (Thymallus thymallus) und Barbe (Barbus barbus) sind hier u. a. durch Kormoranprädation stark rückgängig und akut gefährdet. Die Bestandsrückgänge betragen 80 bis 100 %. Besonders stark ist die Prädation des Kormorans während der Wintermonate ausgeprägt. Demgegenüber zeigt die Groppe (Cottus gobio) eine deutliche Bestandszunahme, die vermutlich aus der rückläufigen Nahrungskonkurrenz sowie den deutlich abnehmenden Prädationsdruck durch andere Fischarten resultiert.

Im Gewässersystem der Helmeniederung wurden die Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) und die Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia) festgestellt. Das Gebiet ist für die Helm-Azurjungfer eines der bedeutendsten Verbreitungsschwerpunkte in Sachsen-Anhalt. Das Vorkommen im Gebiet ist seit 1983 bekannt. Von der Grünen Keiljungfer wurde im Jahre 2002 ein Männchen an der Helme bei Katharinenrieth festgestellt. In den Röhrichten und Seggenriedern der Teilfläche Hackpfüffler See konnte in jüngster Zeit die Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior) nachweisen werden.
In der Kleinen Helme war das bislang einzige Vorkommen der Bachmuschel (Unio crassus) in Sachsen-Anhalt bekannt, bevor 2005 und 2008 zwei weitere in der Altmark gefunden wurden. Aktuelle Beprobungen zeigten jedoch, dass eine sehr geringe Besiedlungsdichte von nur 22 Alttieren auf 2000 m Bachlauf vorhanden ist. Dies wird durch die starke Verschlammung der Gewässersohle verursacht.

Vom Gewässersystem liegen lediglich kurze Fließgewässerabschnitte im EU SPA Helmestausee Berga-Kelbra. Die Gewässerläufe selbst können dabei nur bei Vorhandensein von Uferröhrichten von einigen allgemein verbreiteten Vogelarten besiedelt werden. Das Gebiet des Helmestausees mit seinen angrenzenden Riedflächen besitzt hingegen landesweite Bedeutung für brütende sowie rastende Wasser- und Watvogelarten. 

Literatur: 44, 45, 26, 38, 39, 155, 264, 275, 283, 372, 405, 422, 463

verändert nach:

Jentzsch, M. und Reichhoff, L. (2013): Handbuch der FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Halle (Saale). 616 Seiten

Links / Dokumente

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